Schön heimwärts

Der Gedanke reifte schon eine Weile. Nach nunmehr sechseinhalb Wochen drückt und zieht es mich doch sehr nach Hause. Noch mal so lange fortbleiben und fern von meiner Familie sein, fühlt sich nicht mehr gut an.

So nehme ich die französischen Seealpen noch mit und habe heute vier Pässe genommen, jeder anders und zwei davon zählen zu den höchsten, die die Alpen überhaupt zu bieten haben.

Am Morgen fuhr ich erstmal in die entgegengesetzte Richtung, um die Hochebene der Provence mit riesigen Kräuterfeldern zu sehen.

Gleich danach ging es nach Osten ins Gebirge, nicht ohne den Verdon und seine Schlucht noch mal zu tangieren.

Schon der Beginn der Seealpen war mit einem in die Felsen hineingehauenen Straßengewirr ein Abenteuer. Irgendwo in dieser Ecke waren dann auch die 10.000km Fahrstrecke voll. Bis ich zuhause bin, werden es sicher über 11.000 sein.

Nach langer Anfahrt ging es dann hoch zum Col de la Bonette, dessen Scheitelpunkt von schlauen Tourismusmanagern künstlich um eine Schleife erhöht wurde, damit man mit 2802m behaupten kann, dies sei der höchste Pass der Alpen. Das ist natürlich Quatsch, denn der Sattel bleibt der gleiche, vor allem jetzt am Anfang der Saison, wenn die Schleife ohnehin noch wegen Schnee gesperrt ist. Kühle 8 Grad hatte es oben auf über 2700m.

Seltsamerweise kennt googlemaps die direkte Verbindung hinunter nach Jausiers nicht, wodurch die Route des Tages um ca. 3h zu lang angezeigt wird. Eine einsame Kuh auf einer großen Weide kennt das Stück Land  allerdings auch.

In Jausiers gab’s eine kleine Stärkung für Elise und mich, bevor wir den Col de Vars anfuhren. Nett war die Fahrt und harmlos gegen den Col zuvor. 

Da mein eigentlicher Wunsch-Col, der l’Iseran, immer Wintersperre hatte, nahm ich mit dem Col du Galibier vorlieb und wurde doppelt belohnt. Die Route war einerseits um einiges spektakulärer als am Bonette und zum anderen fand dort eine Oldtimer Rallye von sehr coolen Sportwagen statt, bei der einige Teilnehmer offensichtlich die Bergwertung gewinnen wollten, denn einige rasten wirklich auf lebensgefährliche Art nach oben, so dass auch eine Gruppe von drei Autos von der Polizei rausgewunken wurden. 

 

Die meisten Straßenabschnitte oben sind ohne Absturzsicherung und es verursacht ein mulmiges Gefühl, das Rechtsfahrgebot einzuhalten. Ganz oben hatte es hier sogar nur 6 Grad und der Wind war deutlich kräftiger. Richtig spaßig waren auch die 210 Grad Kehren, von denen es hier reichlich gab.

Wieder ganz unten im Tal angekommen, zeigte das Thermometer 28 Grad an, doch die Frisur saß – bzw. klebte zwischen Kopfhaut und Helm.

Der vierte und letzte Pass war der Col de la Madeleine, nur knapp über 2000m hoch, jedoch mit starker Amplitude, da ich ja wieder ganz unten gestartet war. Und es hat sich gelohnt, nicht nur als Vermeidung der langweiligen – zig unschöne und Sommer-leere Skiorte – Verbindung im Tal.

Ganz generell kann ich nun bestätigen, was ich schon öfters erzählt bekommen hatte. Viele Skigebiete in Frankreich sind in Sachen Pistenangebot Top, die Skiorte jedoch – vor allem so wie jetzt außerhalb der Saison – sind es eher nicht.

Niedlich sind die vielen Pelzkameraden, bekannt als Murmeltiere, die hier ganz untypisch überall rumflitzen, auch auf den Straßen, von Scheu keine Spur mehr.

Für die vmtl. letzte Übernachtung in Frankreich wählte ich Moutiers, um am nächsten Tag nah am ersten Pass zu sein.

Die Route (die Strecke von B nach C konnte direkt befahren werden, ca. 3h weniger)

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