Wildspitze – ein Tag der Extreme, Verluste und Verlustängste

Es begann mit einem phantastischen Morgen und voller Euphorie, sehr kalt (auf 3700m bis -22 Grad), Sonne und Schnee in den Bergen – extrem gutes Wetter eben ?

Im Anstieg zur Wildspitze kam zunächst starker Wind auf, der sich oben am Plateau vor dem Gipfelanstieg mit Steigeisen zum Sturm auswuchs.

Auf dem Bild oben sieht man uns ganz klein beim Anlegen der Steige unterhalb des ersten Felsbereichs am Grat hoch zum Gipfel.

Hier entschieden zwei Teilnehmer, diese Steigetappe angeseilt nicht mitzumachen – leider zu unterschiedlichen Zeitpunkten.Der Bergführer gab beiden das OK, auf die Ebene abzufahren, auf der es noch windgeschützt und sonnig war, um dort zu warten. Da sie getrennt abfuhren, verpassten sie sich, wie wir später erfuhren.

Der Gipfelanstieg war extrem sturmverblasen und eisig kalt, es fühlte sich eher an wie -40 Grad. Nur der Bergführer fand am Gipfel die Motivation, die Handschuhe auszuziehen und ein Foto zu schießen. Mir selbst waren die Hände wie erfroren, weil ich beim Aufstieg einem anderen beide Steigeisen richtig festzurren musste. So ließ ich tatsächlich mal die Hände vom Handy.

Unten angekommen hieß es weg vom Seil, Steigeisen ab und die Skier abfellen. Alles eine Plage bei dem extremen Wind.

Der Sturm war so heftig, dass zwei einzelne Handschuhe und ein Helm vom Plateau geweht wurden. Nun trafen wir auf den Kollegen, der dann doch auf dem Plateau gewartet hatte und gar nichts von der anderen Kollegin wusste. So hieß es aus einem zweiten Grund schnell weg hier, um sie an der vereinbarten Stelle einzusammeln. Dort angekommen war weit und breit niemand zu sehen. Nervosität kam auf und der Bergführer versuchte, sie über Mobiltelefon zu erreichen, was misslang. Nach 10 Minuten hektischer Abfahrt über harschigen Schnee und bei mittlerweile trüber Sicht rief sie schließlich zurück und sagte, sie wäre mit einer anderen Gruppe ein Stück abgefahren, weil sie Angst hatte, sie wäre die Letzte dort oben, weil wir vielleicht einen anderen Weg genommen hatten. Die unmissverständliche Ansage des Bergführers, nun in jedem Fall dort zu warten, ignorierte sie erneut, denn dort nach weiterer schneller genussfreier Fahrt dort angekommen, war wieder niemand da.

Ein erneutes Telefonat ergab, dass sie sich mittlerweile einer neuen Gruppe angeschlossen hatte, um noch weiter runter zu kommen. Bei uns allen wich nun endgültig die Sorge dem Unverständnis über dieses Verhalten. Wir trafen sie schließlich wohlbehalten an der Talstation der Materialseilbahn im Taschachtal.

Von da ab war es – mit Abstand betrachtet – eine Studie über Gruppendynamik und Konflikt-Management.

Berg heil – alle sind wohlbehalten zurück!

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